E1: Sandkasten am Grießenbach

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Sandkasten am Grießenbach © SalzAlpenSteig e.V.

Hier im Gelände oberhalb des Museums „Salz & Moor“ befindet sich eine mehr als 5 km lange (5147 m) gußeiserne Aufschlagwasserleitung. Diese diente dazu die Pumpen der Soleleitungen mit Wasser zu versorgen. Große Wassermengen mussten aus höher gelegenen Bergquellen der Rottauer Alm (Höhenunterschied von 380 m) zum Klaushäusl hergeleitet werden. Damit die Pumpen nicht durch den mitgeführten Sand, Schlamm und durch andere Verunreinigungen beschädigt oder verstopft wurden, dienten vier sogenannte Sandkästen zur Druckregulierung sowie zur Abtrennung und Reinigung des Wassers entlang der Strecke. Dieser Sandkasten Nummer 3 gehört zur ehemaligen Solepumpstation Klaushäusl. (Quelle: Kuglstatter & Thiele 2012, 121)

Funktionsweise der Sandkästen

Die Sandkästen hatten 3 Funktionen…

  1. ein Sieb im Inneren säuberte das Wasser von Sand, Steinen, Laub und anderen Verunreinigungen (daher Sandkasten)
  2. ohne Unterbrechung durch die Sandkästen hätte sich in der Aufschlagwasserleitung wegen der Höhendifferenz zwischen Quelle und Pumpstation ein Druck von 300m Wassersäule (30 bar) aufgebaut. Das wäre zu viel für die Eisenrohre gewesen.
  3. in kalten Winternächten wurden unter den Sandkästen Feuer angezündet um zu verhindern, dass das Aufschlagwasser einfriert.

Anton Bohrer: Der vergessene Beruf des „Brunnpostgehers“

Aufgrund der hohen Störanfälligkeiten der Soleleitungen (z. B. Undichtheit und Beschädigung durch Unwetter, Lawinen, Muren, Frostaufbrüche und Diebe) zwischen den Brunnhäusern waren regelmäßige Kontrollgänge entlang der Soleleitungen notwendig. Hierfür waren die „Brunnknechte“ und „Brunngehilfen“, nach 1817 die „Brunnpostgeher“ zuständig. Einer von ihnen war auch der Salinenarbeiter Anton Bohrer aus Schörging bei Bernau, der von seiner Tätigkeit an der Soleleitung im Bereich Prutdorf-Bergham-Klaushäusl (1922-1945) berichten kann.

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Audio: „Anton Bohrer’s Geschichte“ nacherzählt

 

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Anton Bohrer (90), Brunnpostgeher © Werner, Paul (o. A.) Im Auftrag der Saline. Magazin Bergsteiger (Vol. ?), S. 93.

Die Arbeit des Brunnhauspersonals wurde als sehr verantwortungsvoll angesehen – schließlich hing ja die Versorgung der Salinen mit Sole, somit ein ganzer bedeutender Wirtschaftszweig, vom optimalen Funktionieren eines jeden einzelnen Brunnhauses ab. Ich musste 24 Stunden erreichbar und jederzeit im Falle eines sogenannten „Ausbruches“ (undicht gewordene Guß- oder Holzrohre) einsatzbereit sein. Einer regelmäßigen Arbeit konnte ich aus diesem Grund nicht nachgehen. Da das Angestellten-Verhältnis nur gering entlohnt wurde, nahm ich manchmal Zimmerer-Arbeiten bei den umliegenden Bauern an.
Manchmal musste ich auch harte Reperatur-Einsätze an den Rohren durchführen, die ich nur dank der Unterstützung der Bauern leisten konnte. Einmal galt es bei 70 Zentimeter Schnee zu arbeiten, die Füße wären beinahe im eiskalten Wasser erfroren, aber die Zeit und der Arbeitgeber drängten. Für die helfenden Bauern gab es übrigends 65 Pfennige je Arbeitsstunde.
Eine regelmäßige Aufgabe war das tägliche dreimalige Aufzeichnen des Soledurchflusses im sogenannten Röhrlkasten. Einmal die Woche mussten die aufgezeichneten Berichte zu den Nachbarstationen zusammen mit anderer Post gebracht werden. Jeden Dienstag bin ich vom Prutdorf nach Ecking gegangen und habe mich zum Postaustausch mit dem Brunnwärter vom Schlossberg bei Rosenheim getroffen. Freitags maschierte ich in die Reichenhaller Richtung bis Bergham und Grassau.

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Die Strecke des Brunnpostboten Anton Bohrer © Skizze angefertigt von Graßler, Anton 1988 aus Kuglstatter & Thiele (2012, Vorspann)

Welchen Durchmesser haben die gußeisernen Soleleitungen?

Weiterführende Informationen

Kuglstatter, Martin & Thiele, Klaus (2012). Die Bayerischen Soleleitungen. Reichenhall – Traunstein 1619 – Rosenheim 1810 Berchtesgaden – Reichenhall 1817 und 1961.  Hrsg. Markt Grassau; Gesamtproduktion: publicdesign.de



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